Erste Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (56,1.6-7)
Evangelium nach Matthäus (15,21-28)
Jesus befindet sich in dem Gebiet von Tyrus und Sidon - im heutigen Libanon, also für ihn im Ausland, im nicht-jüdischen, heidnischen Gebiet. Da spricht ihn eine nicht-jüdische Frau an. Sie hat wahrscheinlich eine andere Religion. Nach den damaligen jüdischen Vorstellungen sollte Jesus als Jude mit so einer Frau überhaupt keinen Kontakt haben. Sie gehört nicht dem von den Juden bezeichneten „auserwählten Volk Gottes” an.
„Ich habe nur den Auftrag, den Israeliten zu helfen, die sich von Gott abgewandt haben und wie verlorene Schafe umherirren“, sagt Jesus. Er fühlt sich von Gott also beauftragt, sein eigenes Volk wieder mehr zu Jahwe zu führen. Deswegen beachtet er die Frau nicht. Aber sie lässt nicht locker: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Sie spricht ihn sogar mit einem jüdischen Titel an: „Sohn Davids“. Jesus gibt nach, springt sozusagen über seinen Schatten, weil er spürt, wie groß das Vertrauen dieser Frau zu ihm ist. Er hilft ihr, indem er ihre Tochter (die nicht einmal in der Nähe ist) heilt. Eine merkwürdige Geschichte.
Mit dieser Geschichte richtet sich der Evangelist Matthäus an seine hauptsächlich juden-christliche Gemeinde, also an Juden, die Christen geworden sind. Sie sollen umdenken und ihr Verhalten den sgn. „Heiden“, den Fremden, den Ausländern gegenüber, ändern. Gott ist ein Vater aller Menschen. Alle sind seine Kinder.
Im 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) haben damals die Bischöfe endlich gebrochen mit einer Meinung, die in der katholischen Kirche allgemein verbreitet war: „Außerhalb der (kath.) Kirche kein Heil. Nur wir haben die Wahrheit.“ Die Bischöfe sind überzeugt: Gott wirkt nicht nur in unserer Kirche, sondern auch in anderen Konfessionen und Religionen. Auch sie können zu Gott hinführen. Gott ist für alle Menschen da. Alle sind seine geliebten Kinder - unabhängig von Rasse, Hautfarbe und Volkszugehörigkeit. Gottes Liebe schließt niemanden aus. Diese neue Glaubensüberzeugung hat sich (bei fast allen, außer bei den sgn. Piusbruderschaft) durchgesetzt: Gott ist auch in anderen Religionen wirksam. Gottes Liebe schließt niemanden aus.
Durch die sogenannte „Globalisierung“ kommen wir immer mehr in Kontakt mit Menschen anderer Völker und Kulturen, die anders denken und andere Gewohnheiten haben. Eine leider weitverbreitete Reaktion ist: Wir müssen uns deswegen an erster Stelle um das eigene Volk kümmern. So entstehen Gruppenegoismus, Nationalismus, Fremdenangst und Fremdenhass. Populistische Parteien schüren den Fremdenhass, extreme Bewegungen schrecken sogar vor Gewalt gegen Fremde nicht zurück. „Die gehören nicht zu uns!“
Können wir so etwas als Christen sagen? Jesus will uns erlösen von einer Erblast, von unserem ausgrenzenden Verhalten, das tief in unserer Natur steckt. Jeder Mensch, auch einer, der mir nicht sympathisch ist, der anders denkt und andere Gewohnheiten hat, ist von Gott geliebt. Muss sich in mir etwas ändern?